Gedanken zum Bodenseekongress 2017 – Transkultur – Wandel gestalten

Dr. Johanna G. Eder, Leitung der Kunstvermittlung am Diözesanmuseum Freising

Die trinationale Bodenseekonferenz 2017 zum Thema Diversität und Transkulturalität war in sich ein transkulturelles Erfahrungsbiotop. Sie vereinte intrasubjektive, intersubjektive, nationale und professionelle Vielfalt, zeigte sie auf und machte sie erfahrbar – in den Chancen wie in den Herausforderungen dieser Vielfalt. Als Chance zeichnen sich klar die synergetische Vernetzung von diversen Berufserfahrungen wie auch der in vielen Begegnungen angeregte Perspektivwechsel auf transkulturelle Felder aus. Die intensive Reflexion und Diskussion der einzelnen Panels ließ auch Kontroversen und Unvereinbarkeiten zu, die es für einen mündigen, differenzierten Umgang mit Transkulturalität braucht. Für mich schälte sich in vielen Beiträgen die Erkenntnis heraus, dass bei all den Unvereinbarkeiten der Blick auf das Gemeinsame, das Verbindende, die Brücke zwischen verschiedenen Verständnissen, Kulturen und Perspektiven das „trans“ ausmacht, den Transitraum, in dem sich Diversitäten begegnen und aus dem heraus sie gemeinsam Gegenwart, Wandel und Zukunft gestalten können.
Da die Transkulturalität der Gegenwart den Einzelnen wie auch Gemeinschaften betrifft, sollte es meiner Ansicht nach zwei Versionen oder Blickrichtungen des Bodenseepapiers geben:

– Der Blick nach innen: eine Art Handreichung für diejenigen, die in ihrer täglichen kunstpädagogischen oder kulturvermittelnden Arbeit mit Diversität und Transkulturalität konfrontiert sind. Hier wurde uns am Bodensee eine reichhaltige Expertise präsentiert und diskutiert, aus der viel Hilfreiches und Richtungsweisendes für das konkrete Arbeiten in transkulturellen Zusammenhängen abgeschöpft werden kann.

– Der Blick nach außen: eine Botschaft an z.B. die Bildungspolitik, die unsere Anliegen, unsere Konzepte, Arbeitsweisen und damit verbundenen gesellschaftlichen Potenziale darstellt und aufzeigt, wie Kunstpädagogik im Kontext der transkulturellen Gegenwart ganz eigen und wirkmächtig dazu beitragen kann, gesellschaftlichen Wandel positiv und konstruktiv zu gestalten.

Rückmeldung von TeilnehmerInnen der Konferenz in Kreuzlingen (2.9. – 1.10.17)

Zur TAGUNG
Das Konzept der Moderation inkl. Protokoll in den einzelnen Workshops ist eine sehr gute Möglichkeit Erkenntnisse aus den Diskussionen zu bündeln – auch wenn die ModeratorInnen dadurch natürlich sehr gefordert sind. In diesem Sinne: Danke für den tollen Service!

Die Weiterverarbeitung der wichtigsten Diskussionspunkte im Cluster-Büro und nun in der Nachbereitung der Tagung finde ich ebenfalls sehr lohnend.
Dabei einerseits eine Handreichung für die Praxis (für Lehrpersonen) und andererseits ein bildungspolitisches „Manifest“ o.ä. zu verfassen, scheint mir sehr sinnvoll.