Konzept

Bildung zwischen Kunst, Bildern und Pädagogik entwickelt sich in dichter Auseinandersetzung mit den kulturellen und gesellschaftlichen Bedingungen. In diesen Rahmungen findet sie statt und strebt gleichermaßen eine mündige kulturelle Teilhabe als Bildungsziel an. Kultur und Gesellschaft sind dabei einem permanenten Wandel unterworfen. Ihre Dynamik nimmt in der gegenwärtigen Situation hinsichtlich Geschwindigkeit und Ausmaß erheblich an Fahrt auf. Antriebe dieses zunehmenden Wandels sind unter anderem Wanderungsbewegungen von Menschen, von kulturellen Praktiken, Erzählungen und Sinngebungen. Diese vielschichtigen Migrationen sind auch im Zuge der globalen Entgrenzung und digitalen Kommunikation längst nicht nur mehr das Kennzeichen aus- und einwandernder, flüchtender und pendelnder Menschen, sondern sie prägen als Wanderungsphänomene unser aller Leben, Alltag, Selbstverständnis und Kultur. Bilder werden zunehmend grenzenlos verbreitet und mischen sich in den Lebenswelten zu neuen, hybriden und transkulturellen Ausdrucksformen. Durch Migration, Flucht und gesellschaftliche Ausdifferenzierung treffen sich Menschen mit unterschiedlichen ästhetische Ausdrucksformen und Selbstverständnissen und geraten in eine komplexe Vermischung, aber auch in Konflikt oder in nationalistische Ein- und Ausgrenzungen.

Bildnerische Erziehung (A), Kunstpädagogik (D) und Bildnerisches Gestalten (CH) gehen in zweierlei Hinsicht mit diesen komplexen Herausforderungen um. Zum einen betreffen die Phänomene der Vielfalt und des Wandels die Subjekte der Bildung mit ihren zunehmend internationalen und globalen Verflechtungen – Geflüchtete, Menschen mit Migrationshintergründen und Sozialisationen in der entgrenzten Medienwelt. Zum anderen liegen die Herausforderungen in der Komplexität und dem Wandel der Gegenstände, also der Bilder aus Kunst und visueller Kultur. Wie eine gelingende Lehre im Umgang mit Transkulturalität und im Kontext von Flucht entwickelt werden kann, steht im Zentrum der Arbeitstagung.

Die trinationale Arbeitstagung zu Transkultur und Flucht wendet sich diesen zwei Ansatzpunkten zu, nämlich dem Bereich der Transkulturalität und der Thematik pädagogischer Arbeit im Zeichen von Flucht. Beide Bereiche werden bereits in eindrucksvollen schulischen und außerschulischen sowie hochschulbezogenen Projekten bearbeitet. Vielfach werden im pädagogischen Geschehen tragfähige Einsichten und Methoden gefunden. Doch sind diese Projekte bislang vielfach nicht systematisch gesammelt, gesichtet und modellhaft strukturiert. Noch fehlt eine breite, anwendbare und direkt aus der Praxis entlehnte Theorie und Methodik, die kunstpädagogische Handlungsfähigkeit im Umgang mit kultureller Vielfalt ermöglicht.

Die Arbeitstagung bietet nun die Möglichkeit, diese Situation zu verbessern, indem einschlägige kunstpädagogische Praxis vergleichend in drei benachbarten Länden eruiert und analysiert werden kann: Welche bildenden Konzeptionen und Ideen gibt es bereits in der kunst-/gestaltungspädagogischen bzw. kulturellen Praxis an Schulen und Hochschulen sowie im außerschulischen Bereich? Wie sind diese kategorial einzuordnen, zu bewerten und dann wieder in die Praxis zu implementieren? Welche grundlegenden Handlungstheorien und Leitfäden lassen sich daraus ableiten?

Die Arbeitstagung sieht einerseits zentrale Vorträge vor, die grundlegende Themen klären. Der Schwerpunkt des Konferenzgeschehens liegt jedoch in der kollegialen Reflexion in Arbeitsgruppen. Hier werden konkrete pädagogische Projekte zu Transkultur und Flucht aus Schule, Hochschule und Museum genau betrachtet, auf ihre Perspektiven und Möglichkeiten hin besprochen und weitergedacht, um hieraus im Verlauf des Kongresses wichtige Merkmale gelingender bildnerischer Erziehung abzuleiten. Die Teilnehmenden der Arbeitstagung schärfen durch diese gemeinsame Reflexion ihren Blick im Hinblick auf die Thematik und erweitern ihr pädagogisches Repertoire, um schließlich zu einer tragfähigen Praxistheorie beizutragen. Es wird in einem partizipativen Prozess aus der Arbeitstagung heraus ein Grundlagenpapier entstehen, das Leitlinien zum Thema Handeln im Kontext von Transkultur und Flucht verzeichnet.